Geschichte der Sapienza
Die Universität "La Sapienza" in Rom ist mit einem ganz spezifischen
Akt entstanden. Am 20. April 1303 wird von Bonifazius VIII die
Einrichtung eines Studium generale erlassen, in dem Studenten aller
Nationen "in quarumlibet scientiae facultatum" studieren können.
Neben dem Studium entsteht das älteste Studium Curiae oder Schola
Palatina, gegründet 1218 von Onorio III,in dem kirchliche
Disziplinen gelehrt werden. Während des ersten Jahrhunderts seines
Bestehens hat es das Studium nicht leicht, in einer Stadt, deren
Pontefixe nach Avignon versetzt wurden. Andere italienische
Universitäten machen dem römischen Athenäum Konkurrenz.
Allein die Reform Eugenios IV kann ihm Stabilität und päpstlichen
Schutz geben: am 10. Oktober 1431 setzt der Papst dem Rektor "In
Supremae" einen Kanzler und 4 Administratoren zur Seite, die "ex
duodecim civibus romanis" vom Senat gewählt werden; er bestimmt die
Erträge aus der Erhöhung der Weinsteuer für den Kauf einiger bei S.
Eustachio, im Herzen Roms liegender Gebäude, an eben der Stelle, an
der zwei Jahrhunderte später der Palazzo der "La Sapienza" stehen
wird, er vereint alle Disziplinen und beharrt auf der Kollaboration
der Lehrmeister.
In den folgenden vier Jahrhunderten geht es bergauf und bergab.
Während des gesamten 16. Jh.wird am Palazzo der "La Sapienza"
gebaut, eingeweiht wird er 1659 von Alexander VII zusammen mit der
angrenzenden Kirche Sant'Ivo, eines der Meisterwerke von Francesco
Borromini. Gegen Ende des Jahrhunderts befindet sich die römische
Universität in ernsthaften Schwierigkeiten. Dem direkten Einfluss
des Heiligen Stuhls entzogen, beginnt der Verfall der "La Sapienza".
Starke reformierende Strömungen des 18. Jh geben vielen
europäischen Universitäten neue Impulse. In handschriftlicher
Urkunde nimmt Benedikt XIV am 14. Oktober 1748 erneut die Zügel der
"La Sapienza" in die Hand, und führt die Verfügung Leons X wieder
ein, laut der Professoren keine Ämter übernehmen dürfen, die die volle Ausführung ihrer Lehrtätigkeit behindern; er verfügt, dass der
Rektor jede einzelne Schule zumindest einmal pro Woche besucht und
jedes Jahr einen Kalender ausfüllt, in dem Tage und Unterrichtsstunden verzeichnet sind; er bestimmt die Anzahl der
Lehrstühle, trennt die medizinischen von den philosophischen und
richtet neue Disziplinen wie Chemie, Mathematik und
experimentierende Physik ein.
1756 wird an die beiden besten Studenten "nach Bestehen der Prüfung"
zum ersten Mal in feierlicher Form ein Diplom "für Verdienst und
Ehre" überreicht. 1804 richtet Pius VII mit dem Dokument "Urbes dum
menti nostrae" die Lehrstühle für Naturgeschichte und Mineralogie
ein, gründet eine Art Vorstufe von einem wissenschaftlichen Kabinett
und beginnt mit der Sammlung von Mineralen für das grossartige
Museum der Mineralogie.
Als Rom dem französischen Reich unterworfen wird, gibt es laut
kaiserlichem Dekret vom 17. März 1808 fünf Fakultäten: Heilige
Wissenschaften, Jura, Philosophie, Medizin und Chirurgie, Philologie
und Hilfswissenschaften.
Nach dem Fall Napoleons bei Waterloo, widmet Pius VII dem Athenäum
seine Aufmerksamkeit. 1815 richtet er Lehrstühle für klinische
Medizin, klinische Chirurgie, Zoologie, Algebra, Höhere Geometrie
und Einführung in die Rechnung ein. In Eigeninitiative gründet er am
23. Oktober 1817 eine Schule für Ingenieurswesen und führt Fächer
wie Statik, Hydraulik und Architektur ein. Mit der Konstitution
"Quod Divina Sapientia omnes docet" erklärt Leon XII Rom und Bologna
zu den beiden Sitzen der primären Universitäten des päpstlichen
Staates.
Mit der Eroberung Roms 1870 verliert die "La Sapienza" ihren Status
als Universität der päpstlichen Hauptstadt und wird nun Universität
der Hauptstadt Italiens. 1888 wird mit dem Bau der Poliklinik
Umberto I begonnen, der 1903 abgeschlossen wird.
Am 31. Oktober 1935 wird der neue Sitz der Universität eingeweiht,
der grösstenteils von Marcello Piacentini entworfen und zwischen der
Poliklinik Umberto I und dem Monumentalfriedhof del Verano erbaut
wurde. Dies ist der Anfang der modernen Geschichte der Sapienza.
Die Sapienza in Zahlen
Die Sapienza zählt circa 139 Tausend eingeschriebene Studenten (Akademisches Jahr 2001/2002), 4.900 Dozenten in den drei Bereichen (2.700 ordentliche und ausserordentliche, 2.200 Forscher), 6.000 Beschäftigte im technischen und verwaltenden Bereich.
Über 90 Gebäude stehen als Eigentum oder mit staatlicher Konzession zum ständigen Gebrauch zur Verfügung, 38 davon befinden sich innerhalb der Universitätsstadt, die anderen in Rom. Hinzu kommen ausserdem Mietgebäude. In neuen Sitzen in Grossstädten wie Latina, Rieti und Civitavecchia werden innerhalb kurzer Zeit neue Räume erstanden.
Die Universitätsstadt hat heute eine Gesamtfläche von circa 439 Tausend Quadratmetern.
Die Situation der Immobilien wird sich in den nächsten Jahren aufgrund des Entlastungsprozesses, den die "La Sapienza" mit dem neuen Modell einer "Universitäten-Föderation" gewählt hat, grundlegend ändern. Bei Abschluss der Neu-Organisation sollte die "La Sapienza" über 900.000 qm Fläche verfügen.
Zur Zeit gibt es 21 Fakultäten (19 Fakultäten plus 2 Schulen : Technische Hochschule für Raumfahrt und Hochschule für Archivistik und Bibliothekswissenschaften). In diesen 19 sind die Spezialisierungen der Fakultäten Medizin und Architektur inbegriffen, ebenso die Fakultät Kommunikationswissenschaften, die Aufspaltung von Psychologie in zwei neue Fakultäten und die Aufteilung von Literaturwissenschaften in vier Bereiche (Humanistische Wissenschaften, Literatur und Philosophie, Philosophie und Orientkunde). Fachbereiche und Institute gibt es über 130 (die Institute werden nach und nach in Fachbereiche umgewandelt). Die Universitätskurse sind 149.
Die Universität verfügt über mehr als 171 Bibliotheken (77 davon besitzen mehr als 10.000 Volumen) mit insegesamt circa 4,5 Millionen Volumen. Ausserdem rühmt sich die Sapienza eines
dichten Museennetzes, mit 19 wissenschaftlich-didaktischen Museen, in denen jährlich monothematische interdisziplinäre Ausstellungen stattfinden. Seit 1999 verfügt die "La Sapienza" über einen eigenen Statut (anerkannt durch den Integrierten Akademischen Senat am 14.und 15. Januar 1999, und mit definitivem Erlass durch Rektorats-Dekret am 16. November 1999). |